Als die TV-Kameras im Prinzenparkstadion Anfang 2021 PSG-Sportdirektor Leonardo mit seinem Handy am Ohr auf der Tribüne einfingen, konnte kein Zuschauer die bizarren Hintergründe der Unterredung erahnen. Gerade liefen die ersten Minuten der zweiten Halbzeit im Ligaspiel zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Nantes. Auch auf dem Platz: Angel Di Maria. Nach einem kurzen Dialog mit Sportchef Leonardo am Spielertunnel nahm Trainer Mauricio Pochettino seinen Landsmann dann umgehend vom Feld. Auf dem Weg in die Katakomben erfuhr Di Maria die Ursache für seine Auswechslung, die keinerlei sportliche Gründe gehabt hatte. Laut „Le Parisien“ waren Kriminelle während des Spiels in Di Marias Haus eingebrochen und hatten dabei seine Familie bedroht und diverse Wertgegenstände entwendet.
Raheem Sterling zum zweiten Mal im Fokus der Täter
Nicht während des Spiels aber kurz davor hat Raheem Sterling am Montag vom Einbruch in sein Haus erfahren. „Manchmal ist Fußball nicht das Wichtigste. Die Familie sollte immer an erster Stelle stehen“, sagte Englands Nationaltrainer Gareth Southgate in einem Interview nach dem Achtelfinalsieg über den Senegal. Angesprochen auf das Fehlen seiner Stammkraft bestätigte Southgate, dass Raheem Sterling das WM-Quartier der Three Lions verlassen habe, um nach einem bewaffneten Überfall auf sein Haus bei seiner Familie zu sein. Deshalb flog der 27-jährige noch am Montag aus Katar zurück nach England.
Wie die Polizei am Montag mitteilte, sollen die Täter Schmuck und Uhren im Wert von über 300.000 Dollar erbeutet haben. Beim Angriff sei allerdings kein Familienmitglied verletzt worden sein, so die Behörden. Seit seinem Wechsel zum FC Chelsea wohnt Sterling mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Cobham, einem ländlichen Bezirk im Südwesten von London. Bereits zu seiner Zeit bei Manchester City hatten drei Täter versucht, in seine Villa in Cheshire einzubrechen. Durch das Auslösen der Alarmanlage konnten sie jedoch vertrieben werden.
Die Masche wiederholt sich
Einbrüche bei Fußballern sind längst keine Seltenheit mehr. Zumal die Gehälter der Spieler immer weiter ansteigen und das Geschäft für die Diebe immer lukrativer wird. Eine Analyse vom amerikanischen „Vice Magazine“ zeigt, dass seit Mitte der 2000er-Jahre mindestens 80 Spieler aus den europäischen Top-Ligen von derartigen Übergriffen betroffen waren. Vor allem in England steigt die Zahl der Betroffenen immer weiter an. Allein die Häuser der Premier-League-Profis Reece James, Joao Cancelo und Victor Lindelöf sind seit September 2021 in einer Zeitspanne von vier Monaten von kriminellen Banden geplündert worden.
„Viele Fußballer geben lieber an einem Abend 20.000 Dollar für Alkohol in einem Nachtclub aus, als das Geld in die Sicherheit ihres Hauses zu investieren“, sagte ein anonymer Direktor einer Sicherheitsfirma im Gespräch mit Vice. Für die Spieler sei die Gefahr nicht greifbar und viele würden unterschätzen, wie wichtig ein durchdachtes Sicherheitssystem wäre, so der Experte. Außerdem sei es für die Diebe ein einfaches Spiel herauszufinden, wo die Zielperson wohnt und zu welcher Zeit sie sich nicht in der Nähe des Hauses befindet. Das Risiko von Einbrüchen sei bei längeren Auswärtsaufenthalten wie Champions-League-Reisen oder großen internationalen Turnieren besonders erhöht. Diese Erfahrung musste nun auch Raheem Sterling machen.
Ob oder wann der Mittelfeldspieler zur englischen Nationalelf zurückkehren wird, ist noch unklar. Weder der Verband noch der Spieler haben sich bisher zum Vorfall und zum weiteren Vorgehen geäußert. Im Team soll der Fall jedoch für ein Umdenken gesorgt haben. Wie die „Daily Mail“ berichtet, hätten viele Spieler umgehend ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht, als sie vom Überfall auf ihren Mannschaftskollegen hörten.