Mit Hertha BSC im Trainingslager

Die Tage werden wieder länger. Auch und gerade für die Beleg­schaft des Fuß­ball­kon­zerns Hertha BSC, was im kon­kreten Fall nicht nur am Über­schreiten der Win­ter­son­nen­wende liegt, son­dern an dem Mor­gen­lauf, den Trainer Markus Babbel regel­mäßig ansetzt. Um 7:30 Uhr, zu einer für Fuß­ball­profis eher unge­wöhn­li­chen Zeit, geht es durch die Park­land­schaft des Team­quar­tiers in Port­imao.

Lange bevor die Sonne sich über den Palmen zeigt und die anderen, dem Golf zuge­neigten Hotel­gäste sich auf dem Weg zum Abschlag machen. Her­thas Stürmer Rob Friend sagt, man möge sich doch bitte nicht täu­schen lassen von dem eher spie­le­risch geprägten Trai­ning, ​mit dem Mor­gen­lauf haben wir jeden Tag drei Ein­heiten, das ist ver­dammt anstren­gend, so hart habe ich im Winter noch nie gear­beitet“.

Ronny mel­dete sich im Sommer mit Über­ge­wicht bei Hertha BSC

Nun defi­niert der Kana­dier Friend Fuß­ball vor allem als Arbeit und gewinnt aus zusätz­li­cher Belas­tung zusätz­liche Bestä­ti­gung. Über­ra­schender ist, wie pro­blemlos die Künst­ler­ko­lonie aus Süd­ame­rika das Tag­werk unter der por­tu­gie­si­schen Sonne weg­steckt. Der Bra­si­lianer Ronny etwa war wahr­schein­lich noch nie seit seiner spät­pu­ber­tären Phase so fit und schlank wie in diesen Tagen von Port­imao. Im Sommer noch hatte er sich mit reich­lich Über­ge­wicht zum Dienst­an­tritt bei Hertha BSC gemeldet.

Am Don­nerstag, als Hertha BSC zum ersten Test des Jahres gegen den hol­län­di­schen Zweit­li­gisten FC Zwolle antrat, fragten por­tu­gie­si­sche Jour­na­listen irri­tiert nach, ob es sich wirk­lich um den Ronny han­delte, der vier Jahre lang die Ersatz­bänke von Sporting Lis­sabon und Uniao Leiria platt gesessen hatte. Ronny trickste, schlug kluge Pässe und schoss ein wun­der­schönes Tor, worauf die halbe Mann­schaft zur Gra­tu­la­ti­ons­cour vor­stellig wurde. ​Seine Ent­wick­lung ist groß­artig“, sagt Markus Babbel, und dass der rund­erneu­erte Ronny sozu­sagen der erste Neu­zu­gang für die Rück­runde sei.

Trai­nings­lager von Hertha BSC: Ange­nehme Mischung

Rund um Hertha BSC herrscht in diesen Tagen eine ver­än­derte Groß­wet­ter­lage, meteo­ro­lo­gisch wie atmo­sphä­risch. Vor einem Jahr schuf­teten die Ber­liner im eis­kalten Dau­er­regen von Mal­lorca unter Fried­helm Funkel für die aus­sichts­lose Mis­sion, die Straf­ver­set­zung in die Zweite Liga noch irgendwie abzu­wenden. In Port­imao pro­phe­zeien die orts­an­säs­sigen Meteo­ro­logen seit Tagen Nie­der­schläge, aber das Wetter schert sich nicht darum und schickt immer wieder die Sonne zur Wol­ken­ver­drän­gung an den blauen Himmel. Und Babbel ist mit seiner nie auf­ge­setzt wir­kenden guten Laune der größt­mög­liche Kon­trast zu seinem gries­grä­migen Vor­gänger Fried­helm Funkel.

Das färbt ab auf die Befind­lich­keit des Per­so­nals. ​Obwohl wir hier härter arbeiten als vor einem Jahr, haben wir mit diesem Trai­ner­team mehr Spaß“, sagt der Rekon­va­les­zent Patrick Ebert, einer von denen, die auch schon auf Mal­lorca dabei waren. Babbel defi­niert die Arbeits­at­mo­sphäre im Win­ter­quar­tier als ​ange­mes­sene Mischung zwi­schen Spaß und Anspan­nung“ mit aus­ba­lan­cierten Anteilen, denn eine Rundum-Sorglos-Ver­an­stal­tung ist diese Vor­be­rei­tung nun auch nicht.

Neun Tage vor dem Rück­run­den­auf­takt bei Rot-Weiß Ober­hausen besteht immer noch ein Hauch von Unge­wiss­heit dar­über, wer im Sta­dion Nie­der­rhein das Ber­liner Tor hüten und davor für Ord­nung sorgen wird. Zwar ver­kündet der Hol­länder Maikel Aerts Tag für Tag mit seiner Reib­ei­sen­stimme, alles laufe bes­tens, ​das Knie zeigt keine Reak­tion“.

Die Tor­hü­ter­frage stellt sich nicht

Ein erster Test unter Wett­kampf­be­din­gungen aber ist vor­sichts­halber ver­schoben worden auf den Samstag, für das Spiel gegen den bel­gi­schen Erst­li­gisten Stan­dard Lüt­tich. Aerts hat sich im ver­gan­genen Jahr einen Kreuz­band­an­riss zuge­zogen, sein letztes Spiel liegt zwei­ein­halb Monate zurück, was Babbel nicht weiter inter­es­siert. Die Tor­hü­ter­frage stelle sich nicht, Aerts werde auf jeden Fall spielen, sagt Babbel, es sei denn, ​ihm fliegt das Kreuz­band um die Ohren“.

Am Don­nerstag, beim 2:0 gegen Zwolle, hat Aerts auf der Tri­büne neben einem hol­län­di­schen Kumpel gesessen und denkbar ent­spannt zuge­schaut. Seine Stell­ver­treter Marco Sejna und Sascha Bur­chert konnten den Nach­mittag zur aktiven Rege­ne­ra­tion nutzen, beschützt von den Innen­ver­tei­di­gern Roman Hubnik, Andre Mija­tovic und Kaka, die in Ober­hausen wegen Sperren und struk­tur­be­dingter Schwä­chen nicht spielen werden.

Selbst­iro­ni­sie­rende Per­spek­tive bei Hertha BSC

Babbel plant für das Abwehr­zen­trum mit Sebas­tian Neu­mann und Fabian Lust­en­berger, beide plagen sich noch mit leichten Ver­let­zungen. Aber wenn alles schief­laufe, stehe da ja auch noch die ein wenig ange­jahrte Vari­ante mit Chef­trainer und Zeug­wart zur Ver­fü­gung. ​Markus Babbel und Hen­drik Herzog, das wär’s doch“, sagt Babbel und lacht kurz.

Zei­chen einer selbst­iro­ni­sie­renden Per­spek­tive, wie sie vor einem Jahr noch undenkbar gewesen wäre bei Hertha BSC.

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