Zentrale Bedeutung – 11FREUNDE

Wenn Lina Magull den Ball am Fuß hat, dürfen sich Zuschau­ende auf beson­dere Momente freuen. Die 27-Jäh­rige ist für die Krea­ti­vität zuständig beim deut­schen Team und bekannt für ihre Ruhe am Ball. Hinzu kam am Frei­tag­abend gegen Däne­mark dieser unbe­dingte Sie­ges­wille, der vor allem bei ihrem Treffer zum 1:0 erkennbar war.

Das war absolut mit Über­zeu­gung gemacht von Lina. Wir haben da wieder hoch ange­griffen und sie hat diesen Fehler erzwungen“, sagte die Bun­des­trai­nerin Mar­tina Voss-Teck­len­burg. ​Ich hatte ihr vor dem Spiel gesagt, heute kommt ein Moment und das wird ein großer sein und das war er. Aber sie hat auch so fan­tas­tisch gespielt.“

Magull war an fast jeder Offen­siv­ak­tion betei­ligt, warf sich in die Zwei­kämpfe und steckte ihre Mit­spie­le­rinnen mit ihrer Ent­schlos­sen­heit an, eine Kör­per­sprache, wie viele sie von ihr sehen wollten. Umso bit­terer wäre ein Aus­fall der Fuß­bal­lerin vom FC Bayern Mün­chen. Beim Trai­ning am Montag konnte sie wegen leichter Beschwerden im Ober­schenkel nicht kom­plett mit­trai­nieren. Eine reine Vor­sichts­maß­nahme, wie der DFB mit­teilte.

Das System mit einer Vie­rer­kette in der Defen­sive, drei zen­tralen Mit­tel­feld­spie­le­rinnen und drei Spitzen ging per­fekt auf gegen Däne­mark. Dabei fiel neben Magull vor allem Lena Ober­dorf vom VfL Wolfs­burg auf, die als ein­zige Sech­serin spielte. Die 20-Jäh­rige ist ähn­lich spiel­in­tel­li­gent wie Magull und Sara Däbritz, die das Mit­tel­feld kom­plet­tierte. Ober­dorf ist mit ihrer Physis die per­fekte Ergän­zung in der Zen­trale hinter den beiden Spiel­ge­stal­te­rinnen Magull und Däbritz.

Von der Innen­ver­tei­di­gerin zur Sech­serin

Ober­dorf war als Absi­che­rung geplant, konnte sich aber dank Däbritz oft mit nach vorne ein­schalten und presste die däni­sche Abwehr teil­weise ebenso hoch an wie Magull. Trotz ihres jungen Alters ist es bereits ihr zweites großes Tur­nier, das merkt man ihr an.

Am Anfang ihrer Kar­riere im Natio­nal­team setzte Voss-Teck­len­burg sie ver­mehrt in der Innen­ver­tei­di­gung ein, was sie durchaus auch spielen kann. Zur Stamm­spie­lerin wurde sie dann aber im defen­siven Mit­tel­feld. Dort fühlt Ober­dorf sich wohl und ist durch ihre kör­per­liche Prä­senz in der Lage, sich zu behaupten und wich­tige defen­sive Duelle zu gewinnen, wie am Freitag auch die däni­sche Star­spie­lerin Per­nille Harder mehr­mals zu spüren bekam.

Das aggres­sive Pres­sing von Deutsch­land war der Schlüssel zum Erfolg im Spiel gegen Däne­mark. Die däni­schen Spie­le­rinnen ver­suchten, sich per Kurz­pass­spiel aus den Druck­si­tua­tionen zu befreien, was aber nicht funk­tio­nierte und für Deutsch­land Tor­chancen ermög­lichte.

Mit dem kom­menden Gegner Spa­nien am Diens­tag­abend könnte das schon etwas anders aus­sehen. ​Spa­nien wird uns anders for­dern. Da müssen wir ein sehr gutes Pres­sing spielen und kom­pakt bleiben, weil sie sich mit ihrem Kurz­pass­spiel gerne durch die Reihen spielen“, sagte Abwehr­spie­lerin Marina Hegering vor der Partie. ​Sie werden uns früh unter Druck setzen, da müssen wir unsere Lösungen parat haben. Wir müssen uns gegen­seitig Sicher­heit geben. Die Kom­mu­ni­ka­tion auf dem Platz wird ein ent­schei­dender Faktor sein.“

Spa­nien muss Putellas und Her­moso ersetzen

Die Spa­nie­rinnen beherr­schen dieses Kurz­pass­spiel auf engem Raum wie kein zweites Team bei der EM. Sie möchten mög­lichst viel Ball­be­sitz haben und suchen gerne mal die tiefen Läufe. Das könnte zu einem Pro­blem werden für die deut­sche Defen­sive.

Durch die Aus­fälle von Welt­fuß­bal­lerin Alexia Putellas und Rekord-Tor­schützin Jen­nifer Her­moso sind die Spa­nie­rinnen defi­nitiv geschwächt, haben mit dem 4:1‑Sieg gegen Finn­land aber ein­drucks­voll bewiesen, dass sie auch ohne ihr wohl wich­tigste Offensiv-Duo tor­ge­fähr­lich sind. Gegen die Fin­ninnen über­zeugten vor allem die beiden Mit­tel­feld­spie­le­rinnen Aitana Bon­matí und Patricia Gui­jarro, ein ein­ge­spieltes Duo vom FC Bar­ce­lona.

Doch auch den Deut­schen ist mit dem Sieg gegen Däne­mark ein ein­drucks­voller Start ins Tur­nier gelungen, der zunächst aber nicht mehr als eine gute Basis sei, wie Voss-Teck­len­burg und auch Kapi­tänin Svenja Huth mehr­mals betonten. Die starke Leis­tung muss das deut­sche Team um Magull, Ober­dorf und Däbritz nun bestä­tigen.

Neben Magull trai­nierte am Sonntag auch Sydney Loh­mann nur ein­ge­schränkt, beide werden aber wohl wieder recht­zeitig fit. Defi­nitiv aus­fallen wird Stür­merin Lea Schüller, die am Montag positiv auf das Coro­na­virus getestet wurde. Für sie dürfte Alex­andra Popp in die Startelf rücken.

Der Artikel erscheint im Rahmen unserer Koope­ra­tion mit dem Ber­liner Tages­spiegel.

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