Zurück zu Papa – 11FREUNDE

Der Emp­fang war mehr als freund­schaft­lich. Einige hun­dert Roma-Tifosi hatten sich im Außen­be­reich des Haupt­stadt-Flug­ha­fens ver­sam­melt, um die Ankunft des Romelu Menamu Lukaku Bol­in­goli laut­stark zu feiern. Der gebür­tige Ant­wer­pener wirkte der­weil noch etwas zurück­hal­tend, und das ist ver­ständ­lich. Schon häu­figer war der heute 30-Jäh­rige bei seinen frü­heren Ver­einen stür­misch begrüßt worden. Doch nicht immer wurde sein Abschied von der Anhän­ger­schaft betrauert.

Lukakus fuß­bal­le­ri­sche Reise glich über weite Stre­cken einer Irr­fahrt: viele wech­selnde Sta­tionen, auf denen dem Mit­tel­stürmer mit­unter nur wenig Liebe zuteil wurde. Nun also ist ​Big Rom“ in Rom gelandet, bei jenem Trainer, für den er nach eigenem Bekunden ​durch eine Zie­gel­mauer rennen“ würde: José Mour­inho. Der Por­tu­giese, der Lukaku bereits zweimal betreute – beim FC Chelsea (2013) und bei Man­chester United (2017 bis 2018) –, gilt als eine Art sport­li­cher Zieh­vater des sen­si­blen Sturm­tanks, als dessen größter För­derer und ein­fühl­samster Ver­steher.

Lukakus Tref­fer­quote ging rasant in den Keller

Zwar bekam Lukaku als 20-Jäh­riger in Chelsea nicht son­der­lich viel Ein­satz­zeit von ​The Spe­cial One“, aber das lag vor allem an einem über­mäch­tigen Kon­kur­renten im Kader: Didier Drogba. ​Trotzdem hab ich in Chelsea sehr viel von Mour­inho gelernt“, erklärte Lukaku bei seinem Abschied nach nur wenigen Monaten. Als er vier Jahre später im Old Traf­ford erneut für den Star-Coach spielte, avan­cierte er auf Anhieb zu dessen Angriffs­waffe Nummer eins: ​In meinem Team ist er unan­tastbar“, sagte Mour­inho über Lukaku.

Der Por­tu­giese weiß offenbar genau, wie man mit dem 1,91-Meter-Mann umgehen muss: ​Er ist ein großer Kerl, kör­per­lich so stark“, erklärte der zwei­ma­lige Cham­pions-League-Sieger (2004 mit Porto, 2010 mit Inter) vor gut einem Jahr in einem Inter­view mit The Times, ​aber in ihm steckt auch ein Kind, das diese Liebe braucht, das diese Unter­stüt­zung braucht, das sich wichtig fühlen muss.“ All das soll der 108-malige bel­gi­sche Natio­nal­spieler, dessen Tor-Sta­tis­tiken in den letzten zwei Jahren rasant in den Keller rauschten, künftig wieder bekommen.

Doch Lukaku weiß auch, dass er auf dem Weg zurück zu frü­herer Klasse nicht aus­schließ­lich Strei­chel­ein­heiten von Mour­inho erwarten darf: ​Er ist der Typ Trainer, der immer ehr­lich zu einem ist und einem sagt, was Sache ist. Wenn man damit nicht klar­kommt, hat man ein gewal­tiges Pro­blem“, sagte der Mit­tel­stürmer 2018 über seine Zusam­men­ar­beit mit dem Welt­trainer von 2010. ​Als ich 19 oder 20 Jahre jung war, war es schwer für mich unter Mour­inho. Oh Shit, ich meine, hey, der Typ war echt hart. Aber jetzt, mit 24, hab ich ihn ver­standen. Ich habe mich als Spieler ver­bes­sert.“ Warum soll ihm das mit 30 nicht noch einmal gelingen?

Von einer Fest­ver­pflich­tung schreckte die Roma zurück

Auch für Mour­inho, inzwi­schen 60, ist die Rück­kehr des ver­lo­renen Sohnes eine Art zweite, viel­leicht sogar die letzte Chance: Mit einem Lukaku in Top­form könnte der Por­tu­giese all seinen Kri­ti­kern beweisen, dass er noch immer ein großer Stra­tege ist, der auch mit der ver­gleichs­weise kleinen AS Rom bedeut­same Titel holen kann – und damit ist nicht die Con­fe­rence League gemeint, die ​Mou“ 2022 mit den Gelb-Roten gewann. Im ver­gan­genen Mai führte er den Klub zudem ins Finale der Europa League. Hinzu kommen zwei sechste Plätze in der Serie A. Nicht schlecht, kei­nes­wegs. Doch die US-Eigen­tümer-Familie Friedkin will noch mehr, von Mour­inho und von Lukaku.

Nicht von unge­fähr hatte sich der Clan-Chef Dan Friedkin per­sön­lich hinter das Steuer seines Pri­vat­jets geklemmt, um den zuletzt an Inter aus­ge­lie­henen Neu­zu­gang vom FC Chelsea in die ​Ewige Stadt“ zu fliegen. Lukaku, der u.a. auch in Ander­lecht und Everton unter Ver­trag stand, wird zunächst für ein Jahr von den ​Blues“ aus­ge­liehen. Die Gebühr beträgt etwas mehr als fünf Mil­lionen Euro und könnte bei einem spä­teren Kauf ver­rechnet werden. Vor einer sofor­tigen Fest­ver­pflich­tung des Stür­mers schreckte die Roma dann doch zurück – aus gutem Grund.

Die bis­he­rige Aus­beute von Lukaku in der Serie A ist ziem­lich impo­sant, zumin­dest auf den ersten Blick: In 97 Ein­sätzen für Inter erzielte er 57 Treffer, 47 davon jedoch wäh­rend seines ersten Auf­ent­halts bei den Schwarz-Blauen (von 2019 bis 2021). Anschlie­ßend ging es zurück zum FC Chelsea, für ein Jahr, in dem Lukaku ledig­lich acht Liga­treffer erzielte. In der zurück­lie­genden Spiel­zeit, nun aber­mals bei Inter, plagte sich der Bel­gier mit ver­schie­denen Bles­suren und absol­vierte ledig­lich 25 Liga­par­tien. Hinzu kamen acht Ein­sätze und drei Treffer in der Cham­pions League, wo Lukaku und die Mai­länder über­ra­schend ins Finale gegen Man­chester City (0:1) ein­zogen. Wohin die Reise des ​Big Rom“ mit seinem neuen Klub AS Roma und seinem alten För­derer Mour­inho führt, bleibt abzu­warten. Für beide, Tor­jäger und Trainer, hängt vom Erfolg dieses Trans­fers einiges ab.

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