„Ham wir uns da verstanden?“

Herr Star­c­zewski, beim bru­talen Angriff auf einen Ordner im Gäs­te­block des Bie­le­felder Sta­dions waren Sie in unmit­tel­barer Nähe.

Ja. Beim Ein­laufen der Mann­schaften stand ich, als offi­ziell akkre­di­tierter Foto­graf und damit Bild­be­richt­erstatter, in unmit­tel­barer Nähe des Gäs­te­blo­ckes, um Ein­drücke der Gäs­te­fans des VfL Bochums zu foto­gra­fieren und zu doku­men­tieren.

Es wurde kein Tag wie jeder andere.

Bei Weitem nicht. Unmit­telbar nach Spiel­be­ginn öff­nete sich, nach Abrennen einer mit­tel­großen Rauch­wolke, das Tor, und zwei Ordner trugen einen sicht­lich schwer ver­letzen Ordner aus dem Block. Dieses Vor­gehen habe ich foto­gra­fisch doku­men­tiert, da sich dies unmit­telbar vor mir ereig­nete. So wurde ich direkter Zeuge und war im direkten Ange­sicht des nicht ansprech­baren Ord­ners, der starke Bles­suren in der Gesichts­ge­gend auf­wies und meinem ersten Ein­druck nach bewusstlos wirkte. Es eilten Sani­täter hinzu, wei­tere Ordner und Poli­zei­be­amte in Zivil und Uni­form sei­tens der Hun­dert­schaft.

Wie weit waren Sie vom Geschehen ent­fernt?

Bei meinen Bil­dern habe ich immer eine Distanz zum ver­letzen Ordner gewahrt, da ich mich zu diesem Zeit­punkt ste­hend auf der anlie­genden Sitz­platz­tri­büne befand.

Was war auf Ihren Bil­dern zu sehen?

Viele Bilder sind in Seri­en­auf­nahmen, also in schnell auf­ein­ander fol­genden Bil­dern ent­standen, so dass auch das Gesicht des schwer gezeich­neten Ord­ners auf einigen Bil­dern zu sehen gewesen ist. Ich hatte jedoch kei­nes­wegs die Absicht, diese Bilder zu ver­öf­fent­li­chen.

Den­noch for­derten die Bie­le­felder Ordner Sie auf, Ihre Arbeit ein­zu­stellen.

So ist es. Nach wenigen Momenten machte mich ein Ordner im gelben Leib­chen – und somit von Arminia Bie­le­feld -, dessen Leib­chen die Bezeich­nung ​Bereichs­leiter“ auf­wies, von unten laut­stark auf­merksam und for­derte mich auf, das Foto­gra­fieren zu unter­lassen. ​Keine Bilder von Ver­letzten. Das wollen wir nicht, dass will der Verein nicht.“ Als ich ihm ent­ge­gen­brachte, dass ich als Foto­graf und somit Bild­be­richt­erstatter diesem Spiel bei­wohne, und ich ihn an mein damit ver­bun­denes Recht der Pres­se­frei­heit erin­nerte und wei­tere Bilder machen wollte – keine Nah­auf­nahmen des Ver­letzten, son­dern von dem Geschehnis all­ge­mein – platzte dem Ordner der Kragen.

Wie können wir uns das vor­stellen?

Er kam zu mir und for­derte mich im Namen von Arminia Bie­le­feld auf, mich hin­zu­setzen und keine wei­teren Auf­nahmen mehr zu machen. Ich suchte das Gespräch mit ihm und fragte ihn zunächst nach seinem Namen, wel­chen er mir nicht nennen wollte. ​Ich bin nicht dazu ver­pflichtet, hier meinen Namen zu nennen. Noch ein Foto, und wir machen vom Haus­recht Gebrauch, und Sie fliegen hier ruck­zuck raus.“ Ich ver­suchte ihm in einem stets höf­li­chen Ton deut­lich zu machen, dass auch diese trau­rigen Szenen zum Spiel und der damit ver­bun­denen Bericht­erstat­tung gehörten und ich daher weiter foto­gra­fieren würde. Und ver­si­cherte ihm, keine Gesichts­bilder zu machen, weil ich ja kein Sen­sa­ti­ons­jour­na­list bin.

Das half nicht. Im Gegen­teil: Man for­derte Sie auf, Ihre Auf­nahmen zu löschen.

Unmit­telbar danach kam ein wei­terer Ordner hinzu, mit Kopf­hörer im Ohr, und sagte: ​Wir haben die Anwei­sung von Arminia Bie­le­feld, dass Sie alle Bilder des Ver­letzten zu löschen haben. Wir wollen nicht, dass solche Bilder ver­öf­fent­licht werden und nach außen kommen. Sollten diese Bilder irgendwo auf­tau­chen, hat das ernst­hafte Folgen und recht­liche Kon­se­quenzen. Ham wir uns da ver­standen?“ Ich bat ihn darum, mir seinen Namen zu nennen und mir den angeb­li­chen Ver­treter von Arminia Bie­le­feld zu nennen. Auch er nannte seinen Namen nicht. Statt­dessen drohte er mir mit der Polizei und einer Anzeige, wenn ich nicht das tue, was er sage. ​Gern“, sagte ich. ​Ziehen wir die Polizei hinzu, diese wird Ihnen mit Sicher­heit bestä­tigen, dass wir in einem Recht­staat leben!“

Wie ver­hielt sich die Polizei?

Der Poli­zei­be­amte war in Zivil und sagte zu mir: ​Den Anwei­sungen ist Folge zu leisten“ – sonst mache er vom Haus­recht Gebrauch, und ich würde wegen Haus­frie­dens­bruch ange­zeigt. Auch er nannte mir seinen Namen nicht.

Wie ging das Löschen der Auf­nahmen von­statten?

Ich wurde gebeten, mich zu setzen. Einer der Bereichs­leiter schaute sich mit mir die Bilder an und nötigte mich, über ein Dut­zend Bilder zu löschen. Noch­mals ver­wies ich darauf, die Gesichts­bilder nicht zu ver­öf­fent­li­chen, und ich es nicht ein­sehe, dass mir die Ordner und Poli­zisten Befehle geben und mit ernst­haften Kon­se­quenzen drohen. Zudem ist mir nicht die Mög­lich­keit gegeben worden mit anderen Foto­grafen Rück­sprache zu halten, da diese fast alle­samt auf der anderen Seite foto­gra­fierten.

Schließ­lich kam die Polizei noch einmal auf Sie zurück.

Ja. Kurz vor Spie­lende kam der genannte Zivil­po­li­zist auf mich zu, der mir zuvor seinen Namen ver­wei­gert hatte, und wollte nun meine Per­so­na­lien auf­nehmen, da ich ggf. als Zeuge hin­zu­ge­zogen würde. Ein Zeuge, der zuvor Bilder des Ereig­nisses löschen musste.

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