Rabah Madjer, die meisten Fußballfans erinnern Sie nur wegen Ihres legendären Hackentricks aus dem Landesmeister-Finale von 1987. Stört Sie das?
Im Gegenteil! Ich bin sehr glücklich darüber, dass die Leute mich nicht vergessen haben. Man erzielt nicht jeden Tag ein solches Tor in einem Europapokal-Finale. Seitdem trägt dieses Tor ja auch meinen Namen. Jungs auf der Straße, auf dem Bolzplatz, selbst Profis nennen solche Tore: Madjer-Hackentrick. Ich bin also eine Art Marke geworden. Das macht mich stolz.
Pelé soll über dieses Tor gesagt haben: „Hätte Madjer sich nicht umgedreht, um zu sehen, ob der Ball reinging, wäre es das schönste Tor der Fußballgeschichte gewesen.“
Aber ich musste doch hinschauen. Stellen Sie sich nur mal vor, wenn der Ball nicht reingegangen wäre! Dann hätte ich alleine gefeiert, und meine Mitspieler, die Gegner und all die Fans hätten gedacht: Was für ein überheblicher Idiot.
Überheblich waren in diesem Spiel eigentlich nur die Bayern. Wussten Sie, dass Klub-Präsident Fritz Scherer schon vor dem Spiel eine Siegesrede vorbereitet hatte?
Das mag arrogant klingen, doch wenn man ehrlich ist, war das ja durchaus berechtigt. Die Bayern hatten viel mehr Erfahrung als wir und einen Weltklassekader. Da spielten internationale Topstars wie Lothar Matthäus oder Andreas Brehme. Für uns hingegen war es das erste Endspiel in diesem Wettbewerb.
Sie hatten mit dem FC Porto im Halbfinale immerhin das damals sehr starke Team von Dynamo Kiew besiegt. Warum so bescheiden?
Klar, Dynamo hatte damals auch großartige Spieler wie Oleg Blochin, Igor Belanow oder Aleksandr Zavarov. Wir gewannen zweimal 2:1. Das war eine Überraschung, und natürlich haben wir danach auch gehofft, dass im Endspiel mit etwas Glück was gehen kann.
Wie war Ihre Taktik?
Wir entschieden uns für eine defensive Strategie, ein klassisches 4−5−1, vorne lauerte nur Paulo Futre. Doch In der ersten Halbzeit waren wir sehr nervös, und die Bayern erzielten durch einen Kopfball das 1:0. Wir dachten: Das war’s. Doch in der zweiten Halbzeit kamen wir zurück, weil wir offensiver spielten. Auch ich hielt mich kaum noch im Mittelfeld auf, sondern vermehrt im Sturm.
Welche Erinnerungen haben Sie denn an Ihr Hackentor in der 78. Minute?
Es war alles sehr spontan, ich hatte das jedenfalls nie zuvor trainiert. Da ich mit dem Rücken zum Tor stand, war der Hackenschuss die einzige Option. Nach dem Tor musste ich mit einem Wadenkrampf vom Feld. Wenige Minuten später humpelte ich wieder aufs Feld.
„Ich bin eine Marke“ – 11FREUNDE
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