Was ist neu?
Nach der enttäuschenden letzten Saison hat Roland Virkus einen XXL-Umbruch eingeleitet. Rheinländische Verschwörungstheoretiker dürften längst einen Bevölkerungsaustausch vermuten. Jahrelange Führungsspieler wie Lars Stindl, Marcus Thuram, Jonas Hofmann und Ramy Bensebaini verließen den Verein, Yann Sommer und Matthias Ginter sind weg, auch Nico Elvedi könnte den Klub in diesem Sommer noch verlassen. Das Team musste kernsaniert und neu gestaltet werden. Dazugestoßen sind unter anderem Stürmer Tomas Cvancara aus Prag, Franck Honorat von Stade Brest oder der Bielefelder Robin Hack. Es wird die Aufgabe des prominentesten Neuzugangs, die vielen Einzelkönner zu einem funktionierenden Gefüge zusammenzubauen: Mit Gerardo Seoane geht die Borussia nämlich wieder mal mit einem neuen Trainer in die Saison. Ein Schweizer in Gladbach: Sachen gibt’s!
Was macht Hoffnung?
Trotz aller Umbaumaßnahmen konnten ein paar Grundpfeiler gehalten werden. Mittelfeldspieler Julian Weigl etwa soll künftig den Zentrumsspieler geben, um den sich eine Mannschaft formiert. An dessen Seite dürfte Florian Neuhaus in die Saison starten, der an guten Tagen noch immer auf der Dortmunder Einkaufsliste aufploppt. Im Laufe der Saison werden auch die verletzten Manu Koné und Christoph Kramer zurückkehren. Obendrein ist Alassane Plea geblieben. Zusammen mit den Neuankömmlingen wird es für Gerardo Seoane also darum gehen, die Mannschaft so auszutarieren, dass sie seinem ambitionierten Offensivfußball folgen kann. Spannend wird zu sehen sein, wie Tomas Cvancara und Franck Honorat harmonieren werden. Die beiden Neuzugänge, deren Namen der ein oder andere Borusse vor der Saison erst noch googeln musste, kommen ähnlich unbefleckt in die Liga wie Thuram und Plea vor einigen Jahren. Wenn sie so einschlagen, wie die beiden Franzosen das taten, können sie Soforthilfen sein. Doch mit dem Klub verhält es sich wie mit den vorangegangenen Sätzen: Die Gladbacher Hoffnung steht in diesem Jahr im Konjunktiv. Doch an einer Konstante dürften sich die VfL-Fans ganz besonders festhalten: sechs Punkte gegen den FC Bayern sind fest eingeplant.
Was nicht?
Weil der als „Korsettstange“ der Gladbacher Mannschaft eingeplante Hofmann schnell auf die andere Rheinseite flüchtete, als er von der angedachten Verdinglichung seiner Person erfuhr, standen die Gladbacher Anfang Juli ganz schön blöd dar. Und tun es, wenn man mal ehrlich ist, auch heute noch. Der Kader wirkt nicht hinreichend komponiert, Hoffnungsträger wie Koné befinden sich auf dem Sprung und Ankermann Weigl qualifiziert vor allem die Statik seines Spiels für die neuen Aufgaben. Gerardo Seoane ist nach Adi Hütter, Marco Rose und Daniel Farke nun der vierte Trainer in drei Jahren, der mit grundeigener Fußball-Philosophie am Niederrhein aufschlägt. Ihm wird zwar nachgesagt, vor allem mit jungen Kickern arbeiten zu können. Zur Wahrheit gehört aber auch: Mit einem weit besseren Kader hatte der Schweizer im vergangenen Jahr in Leverkusen erschreckend wenig Erfolg.
Mit dieser Skandal-Schlagzeile berichtet die BILD in vier Wochen über den Verein:
„Schweiz ist geil! Mit diesem irren Plan will Seoane die Borussia vor dem Abstieg retten“: Gladbach trägt seine Heimspiele künftig im Berner Wankdorfstadion aus, läuft mit „Ricola“-Schriftzug auf der Brust auf und untersteht ab der kommenden Saison dem Schweizer Fußballverband. In diesem Sinne: Hopp Schwiiz!
Das 11FREUNDE-Orakel:
Die Borussia rutscht in ungeahnte Tiefen ab: Nach der kontinuierlichen Rückentwicklung in den vergangenen Jahren, die den Verlust fast aller Führungsspieler beinhaltet hat und den Verein in eine mittelschwere Identitätskrise stürzte, wird sich der Klub in diesem Jahr noch weiter nach unten orientieren müssen. Das Team ist die größte Wundertüte der Saison. Am Ende werden die Gladbacher am Abstieg kratzen, sich auf dem 16. Tabellenplatz wiederfinden und in der Relegation folglich nur noch aufs Freilos im Volkspark hoffen können.